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Licence to code

Mit James Bond zu mehr Agilität

«James Bond ist der perfekte agile Problemlöser», sagt Dominik Berner, Senior Embedded Software-Ingenieur bei bbv, und erläutert, warum der Vergleich mit dem Helden auf die Arbeit in agilen Teams haargenau passt.

04.12.2018Text: bbv0 Kommentare
James Bond beschriftet
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Die meisten Bond-Filme folgen dem gleichen Muster: Bond wird nach London gerufen, um sich über die neueste Krise zu informieren. Dann reist er um die Welt, sammelt Informationen, verzaubert ein paar Frauen oder verprügelt Bösewichte, bis er die Intrigen des Meisterbösewichts aufdeckt, die er dann umgehend beseitigt. Problem gelöst, Krise abgewendet.

So fern ist dies nicht vom Alltag eines Softwareentwicklers. Übertreibe ich da? Ich finde nein. Denn dieses Vorgehen ähnelt dem agilen Ansatz im Software Engineering:

  • James Bond hat ein ziemlich klares Leitbild, aber die Ausführung, wie diese Mission erfüllt wird, bleibt ihm völlig überlassen. Wenn wir «Mission Statement» durch «Product Vision» und «James Bond» durch «ein funktionsübergreifendes, eigenverantwortliches Team» ersetzen, sind wir der Idee agiler Teams sehr nahe.
  • Wie in der Softwareentwicklung erhält James Bond zu Beginn des Films meist nur eine grob umrissene Mission und deckt immer mehr Informationen dazu auf. Die Details seiner Mission ändern sich stetig, aber das gewünschte Ergebnis bleibt gleich.
  • Je mehr Details James Bond erfährt, desto genauer passt er seine Taktiken an die neuen Situationen an. Zwar könnte er mit gezogener Waffe den Bösewicht im Bergkurort überwältigen, doch dann merkt er, dass sein Charme und soziale Fähigkeiten eher zum Ziel führen. Das Gleiche gilt für das Software-Engineering, wo Produkte immer genauer definiert werden, wenn Feedbacks der User eingeholt und Technologien und Lösungen iterativ angepasst werden.
  • James Bond arbeitet ähnlich wie agile Teams, da er innerhalb seiner Rahmenbedingungen selbständig und unabhängig handeln kann. 007 braucht seinen Chef nicht um Erlaubnis zu bitten, sich in die Höhle des Schurken zu schleichen. Er tut es einfach und erhält die notwendige Unterstützung von seinem Vorgesetzten, da dieser davon ausgeht, dass James Bond am besten beurteilen kann, welche Vorgehensweise erforderlich ist. All dies klingt sehr vertraut, denn auf die gleiche Weise wollen wir Probleme lösen, mit denen wir bei der Produktentwicklung konfrontiert sind. Wenn sich die Umstände ändern, müssen wir schnell entscheiden und schnell handeln können. Die Bitte um die Erlaubnis von Vorgesetzten – oder noch schlimmer über mehrere hierarchischen Ebenen hinweg – ist ein sicherer Weg, um agile Teams zu bremsen.

James Bond beschriftet

Die James-Bond-Fähigkeiten eines Softwareentwicklers

An diesen Fähigkeiten ist James Bond meist erkennbar:

  • Gut geschult und ausgebildet
  • Motiviert
  • Arbeitet autonom
  • Ein kreativer Problemlöser
  • Eigenverantwortlich
  • Gut vernetzt in der heimlichen Welt
  • Loyal

Dies klingt sehr ähnlich zu einer Stellenausschreibung für Softwareentwickler. James Bond als erfahrener Problemlöser bringt all diese (und viele weitere) Eigenschaften mit. Aber auch James Bond wurde nicht mit diesen Fähigkeiten geboren, er erhielt eine gute Ausbildung und Weiterbildung durch die britische Marine und den Geheimdienst. Der James Bond der 60er Jahre wäre wahrscheinlich völlig verwirrt mit modernen Computern, wenn er nicht auf dem neuesten Stand der Technik gewesen wäre.

In der Welt der Softwareentwicklung, in der sich Technologien schnell ändern, ist Weiterbildung zentral, und insbesondere agiles Denken führt zu einer kontinuierlichen und unerbittlichen Verbesserung, nicht nur der Prozesse und Frameworks, sondern auch auf individueller Ebene.

James Bond identifiziert sich sehr stark mit den Zielen des Geheimdiensts, Grossbritannien und die Welt im Allgemeinen zu schützen. Es ist erwiesen, dass ein sinnvolles Ziel die intrinsische Motivation erhöht. Wir erwarten zwar nicht, dass unsere Ingenieure ihr Leben für unsere Projekte aufs Spiel setzen, doch hat das Ziel einen starken Einfluss auf die Motivation. Da die Probleme im Software Engineering oft kompliziert und komplex sind, brauchen wir Menschen, die motiviert sind, bei der Suche nach Lösungen weiterzumachen, obwohl sie das erste Mal scheitern oder das Problem schwer zu lösen ist. Ein Ziel zu haben, mit dem sich Menschen identifizieren können, hilft enorm beim Aufbau von Motivation.

James Bond beschriftet

Gibt es James Bond auch in der Realität?

Ist das ganze Paket eines James Bond von Hollywood auch in die Realität umsetzbar? Obwohl es unrealistisch ist, dass es wirklich einen vergleichbaren James Bond als Einzelperson gibt, so können wir ihn durch funktionsübergreifende, leistungsfähige Teams ersetzen. Nicht jedes einzelne Teammitglied muss ein Experte für alle Problemlösungsfähigkeiten sein, die erforderlich sind, um die Welt zu retten. Indem wir Menschen mit komplementären und sich überschneidenden Fähigkeiten haben, können wir sehr nahe an das herankommen, was ein James Bond leisten kann.

Es gibt jedoch einige Schlüsselattribute wie Motivation und Autonomie, die mit allen Teammitgliedern geteilt werden sollten. Dies ist wahrscheinlich der schwierigste Teil, aber durch Coaching und Befähigung von Menschen kann dies erreicht werden.

 

Der Originaltext (in Englisch): http://dominikberner.ch/james-bond-package/

Twitter: @BernerDominik

Der Autor

Dominik Berner

Dominik Berner ist Software-Ingenieur bei bbv. Dank seines Know-hows im MedTech-Bereich kennt er die Wachstumsgrenzen von Startups und Kleinunternehmen, aber auch die Verhältnisse in Grossfirmen. Als Agilist betrachtet Berner Softwareentwicklung als Teamsport, der eine starke Unternehmenskultur erfordert.

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