UI-Planung via Storyboard

Artikel von Thorsten Ruf und Roland Simon publiziert im WindowsDeveloper.

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Die agile Softwareentwicklung geniesst inzwischen eine grosse Beliebtheit. Bei der Einführung von Agilität stehen meistens die Änderungen für die Softwareentwickler im Vordergrund. Schon bald stellt man aber fest, dass auch auf Seite des Requirements Engineering große Veränderungen anstehen. Der neue Team Foundation Server (TFS) 2012 bietet neben vielfältigen Verbesserungen bestehender Funktionalitäten neue Konzepte, um das agile Requirements Management besser zu unterstützen.

Das klassische Requirements Engineering gilt im Kontext von Agilität als bürokratisch und schwerfällig. Mit der lieb gewonnenen Flexibilität im Projektverlauf ist es verschwendete Mühe und vor allem Zeit, vor Beginn der Implementierung sämtliche Anforderungen detailliert in einem seitenstarken und komplexen Anforderungsdokument zu spezizieren. In Projekten mit etablierten agilen Vorgehensweisen zeigt die Erfahrung, dass auch das Requirements Engineering an den agilen Ansatz adaptiert werden muss. Somit wird im Projektverlauf nicht nur iterativ-inkrementell implementiert, sondern auch das Requirements Engineering muss fortlaufend erfolgen. Hierbei ergibt sich eine stetige Verfeinerung der Anforderungen und somit ein fortlaufendes Auffüllen der bestehenden Wissenslücken im Domänen-Know-how des Kunden.

Im agilen Requirements Engineering werden sehr hilfreiche, klassische Techniken jedoch keinesfalls außer Acht gelassen. Hier liegt es in der Hand des erfahrenen Requirement Engineers, die passende Technik zum richtigen Zeitpunkt anzuwenden. Er muss sicherstellen, dass komplexe Sachverhalte mit geeigneten Methoden beschrieben werden und das Entwicklungsteam die Anforderungen für einen Sprint gut verstehen kann. Zum Projektstart im agilen Umfeld bedarf es einer detaillierten Beschreibung der ersten Anforderungen in Form eines initialen ProductBacklogs, das im TFS 2012 noch einfacher und schneller per Drag-and-Drop-Funktionalität verwaltet werden kann. Diese ersten Anforderungen werden jedoch nur so detailliert speziziert, um deren Kosten, Risiken und Nutzen abschätzen und priorisieren zu können, und soweit verfeinert bis das Entwicklungsteam für die ersten ein bis zwei Sprints beschäftigt werden kann. In dieser Phase hat es sich bewährt, auf die klassischen Techniken in Form von Workshops und Interviews zu setzen.

Nach jedem Sprint ist es von großer Bedeutung, für die realisierten Anforderungen ein Feedback bei den Stakeholdern einzuholen, um die Anforderungen zu verifizieren und zugleich neue Anforderungen zur Aufnahme ins Product Backlog zu identizieren. Der TFS 2012 stellt für die weitere Verfeinerung von Anforderungen ein einfaches Storyboarding-Tool zur Verfügung, mit dessen Hilfe User-Interface-Skizzen erstellt werden können. Diese Storyboards können mit den Work Items des TFS verknüpft werden und stehen dem Entwickler bei der Umsetzung direkt zur Verfügung. Sie ergänzen die textuelle Beschreibung der User Story. Mit der ebenfalls neu eingeführten
Feedback-Request/Response-Funktionalität bietet der TFS 2012 eine Möglichkeit, bei Stakeholdern aktiv ein Feedback einzuholen und sie näher an das Geschehen heranzubringen. Alle Projektbeteiligten können schnell und einfach Einuss auf die Weiterentwicklung des Projekts nehmen. Schauen wir uns als erstes das neue Storyboarding des Team Foundation Server 2012 genauer an.

Bild1

Abb. 1: Erstellen eines Templates

Bild2

Abb. 2: Hinzufügen eines Custom Shape

Storyboarding

Das TFS-Team setzt für das Erstellen von Storyboards auf PowerPoint. Dies mag im ersten Moment verwundern. Präsentationen und Storyboards haben doch nicht viel gemeinsam, möchte man einwenden. Aber sowohl Programme für die Erstellung von Präsentationen als auch Storyboards verwenden einen Designer für die grafische Gestaltung. Ein weiterer gewichtiger Pluspunkt für PowerPoint ist die Verbreitung beim Zielpublikum. Die Benutzeroberächen-Skizzen sollen ja nicht primär von Softwareentwicklern erstellt werden, sondern von den Stakeholdern mit viel Geschäftswissen und engem Kontakt zum Endbenutzer. Diese haben vielfach PowerPoint  nicht nur bereits installiert, sondern auch fundierte Erfahrungen mit der Anwendung. Eine kritische Anmerkung hierzu: Bedenkt man die Lizenzpolitik von Microsoft, ist es fraglich, ob alle Stakeholder als Benutzerkreis vom Storyboarding betrachtet werden: Bei der Betaversion muss Visual Studio in der Premium-, Ultimate- oder Test-Professional-Version lokal installiert werden, um die Funktion „PowerPoint Storyboarding“ benutzen zu können. Die Autoren hoffen, dass in der Release-Version die Möglichkeit geboten wird,  diese Funktion auch auf PCs ohne Visual Studio verwenden zu können

Damit Storyboards kostenefzient erstellt werden können, hat das TFS-Team ein paar  PowerPoint-Erweiterungen bereitgestellt. Die auffälligste ist daszusätzliche Ribbon  Storyboarding. In diesem sind die Funktionen für das Erstellen von Storyboards zusammengefasst. Das TFS-Entwicklerteam wählte also den gleichen Ansatz wie bei der Erweiterung für MicrosoftExcel mit dem Team Ribbon. Dieses wird für die Kommunikation von Excel mit dem TFS eingesetzt. Durch das Starten von PowerPoint über das Windows Startmenü Microsoft Visual Studio 2012 > Powerpoint Storyboarding wird ein für das Storyboarding vorbereitetes Template geöffnet.

Als erster Schritt werden über das Storyboarding Ribbon die Storyboard Shapes eingeblendet. Unter „Backgrounds“ kann  eine vorbereitete Form gewählt werden. Wir ziehen den Webbrowser-Background für eine Webapplikation auf die Folie – Entschuldigung, das Storyboard (da wir uns im PowerPoint  beenden, verwenden wir für das bessere Verständnis auch die Begriffe aus der  Präsentationstechnik). Neben dem Anpassen der Texte des Webbrowser-Hintergrundes  werden Benutzeroberächenkomponenten wie Header und Footer hinzugefügt. Zuerst werden nur Komponenten hinzugefügt, die auf allen Screens vorkommen, mit dem Ziel, ein Template zu erstellen. Das Template wird einmalig erstelltund kann anschließend mehrfach wiederverwendet werden. Sobald man mit dem Template zufrieden ist, kann es über den Befehl C S zu den Templates hinzugefügt werden. Für diesen Schritt muss es noch nicht abschließend designt und aufgebaut sein (Abb. 1).

Ein grosser Vorteil der Templates ist, dass sie nachträglich editiert werden können und auf sämtlichen Folien nachgeführt werden. Ist ein Benutzeroberflächenlayout schon umgesetzt, muss es nicht im PowerPoint Storyboarding nachgezeichnet werden. Über das integrierte Screenshot-Tool kann das bestehende Layout als Hintergrundbild in PowerPoint importiert und im Template eingebunden werden. Nun steht die Grundstruktur der Benutzeroberäche. Jetzt geht es um das Erstellen der einzelnen Seiten. Hierfür wird eine neue Folie mit dem oben erstellten Template erstellt. Auf diese Folie werden die einzelnen UI-Komponenten gezogen. Für das Gestalten können neben den Storyboard-spezischen Funktionen die umfangreichen Standardfunktionalitäten von PowerPoint verwendet werden. Bei den Storyboard Shapes gibt es schon viele vorbereitete Formen. Den Backgrounds sind wir schon oben begegnet. Unter Common gibt es die Standard-Controls, wie Button, Textbox, Text, Radiobuttons etc. Man landet in der Shape-Galerie aber auch ausgefallenere Elemente, wie Street Map und Tag Cloud. Für die Benutzeroberflächen (klassisches) Windows, Metro und Windows Phone gibt es schon vorgefertigte Controls im entsprechenden Style. Es werden also schon die neuesten Benutzeroberächentechnologien aus dem Hause Microsoft unterstützt.

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