Interview zur BASTA! Spring 2013

In Vorbereitung auf die anstehende BASTA! Spring 2013 hat Judith Lungstraß, Redakteurin bei dotnet.de, ein Interview mit mir geführt (http://it-republik.de/dotnet/artikel/TypeScript-koennte-der-naechste-JavaScript-Standard-sein-5722.html).

Hier die Abschrift:


“TypeScript könnte der nächste JavaScript-Standard sein”

 


Mit Windows 8 hat JavaScript Einzug in die .NET-Welt gehalten. Doch obwohl die Stärken der Skriptsprache an allen Ecken und Kanten propagiert werden, herrscht immer noch große Skepsis: Ist es überhaupt möglich, in JavaScript etwas anderes als Spaghetti-Code zu produzieren? Und welche Rolle spielt eigentlich TypeScript? Antworten gibt es im dot.NET-Interview mit BASTA!-Speakerin Britta Labud.


dot.NET: Frau Labud, auf der BASTA! Spring 2013 sind Sie unsere JavaScript-Expertin. JavaScript auf einer .NET-Konferenz, das hätte sich vor einigen Jahren noch niemand vorstellen können. Woher kommt dieser Wandel und welches sind die schlagenden Argumente für JavaScript?

Britta Labud: Nun, eigentlich bin ich Expertin für Web-Anwendungen. Dabei kommt man um JavaScript einfach nicht herum. Im Post-Web-2.0-Zeitalter erwarten die Anwender interaktive, dynamische Benutzeroberflächen, die intuitiv zu bedienen sind und dabei womöglich auch noch Spaß machen. Und dies ist im Web-Browser plattform-übergreifend nur möglich mit dem Einsatz von JavaScript.

Dazugekommen sind die mobilen Endgeräte. Unter iOS und Android laufen native JavaScript Apps. Und zu guter letzt laufen jetzt auch auf WinRT und Windows Phone native JavaScript Apps. Wer sich in diesem Marktsegment bewegt, braucht JavaScript.

dot.NET: Inwiefern lässt sich JavaScript mit den traditionellen .NET-Technologien integrieren?

Britta Labud: Im Web-Umfeld ist JavaScript hauptsächlich im Einsatz für Client-seitige UI-Anpassungen. Dabei kann serverseitig die ganze Palette von .NET-Technologien verwendet werden.

Für WinRT und Windows 8 Apps ist JavaScript eine native Programmiersprache, wobei die Windows Runtime über den WinJS-Namespace angesteuert wird. Dieser stellt jedoch nur ein Subset des .NET Frameworks zur Verfügung. Wird mehr Funktionalität benötigt, muss die App zwischen einem Client und einem Server aufgeteilt werden. Ein Server mit dem Backend der App kann auch auf dem lokalen PC installiert und ausgeführt werden. Der Server ist dann eine traditionelle .NET Anwendung.

Von daher bleiben die .NET Technologien die Basis aller Entwicklungsvorhaben im Windows-Umfeld.

dot.NET: Das Vorurteil der C#-Entwickler gegenüber JavaScript liegt hauptsächlich in dessen vermeintlicher Eigenschaft als „Spaghettisprache“. Doch ist das wirklich eine echte Eigenschaft der Skriptsprache oder ist auch übersichtlicher, qualitativ hochwertiger JavaScript-Code möglich?

Britta Labud: Nun ja, JavaScript macht es mir natürlich einfach, Spaghetti-Code zu schreiben. Aber wenn ich mich entschließe, auch in JavaScript professionell zu entwickeln, so ist das mit geringem Mehraufwand möglich. Für die Modularisierung gibt es zwar keine Sprachkonstrukte, aber Patterns für Namespaces und Klassen, die allgemein als gute Programmierpraxis akzeptiert sind. Es existieren Frameworks für UnitTests und BDD und auch Clean Code ist machbar. Der Lohn für diesen Mehraufwand ist auch in JavaScript wartbarer, gut lesbarer Source Code, der leicht erweiterbar ist und mit den automatisierten Tests auch ein Sicherheitsnetz für die Funktionalität bietet.

dot.NET: Welche Rolle kommt Ihrer Meinung nach TypeScript zu?

Britta Labud: TypeScript ist ein Superset von JavaScript. Es bietet zusätzlich Klassen, Interfaces, Modules, Lambda Functions und Type Annotations. Daher vereinfacht es das .NET-Programmierer-Leben und bietet die Grundlage für Tooling wie z.B. Intellisense und Fehleranalyse zur Compile-Zeit. Im Moment kann jedoch noch kein TypeScript direkt debuggt werden, daher ist das Handling noch ein wenig unhandlich. Für .NET Programmierer aber sicherlich eine vertrautere Umgebung als das reine JavaScript.

dot.NET: Könnte Microsofts Programmiersprache das Potential haben, reines JavaScript aus der Microsoft-Welt zu verdrängen?

Britta Labud: TypeScript basiert auf dem Proposal ECMAScript Harmony, der nächsten standardisierten Basis-Version von JavaScript. Es ist sozusagen ein Preview für den Einsatz des zukünftigen Standards in der Praxis. Microsoft verspricht, TypeScript mit dem Standard abzugleichen. Von daher könnte es auch sein, dass der nächste JavaScript-Standard TypeScript ist. Wer also jetzt schon auf TypeScript setzt, macht sicherlich nichts falsch.

dot.NET: Vielen Dank für das Interview! Wir sehen uns auf der BASTA! Spring 2013.

Durch das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik der TU Berlin spezialisiert auf Softwaremodellierung und Simulationssysteme, hat Britta Labud u. a. bei der Entwicklung von CASE-Tools, Straßenbahnbetriebshofmanagement-Systemen und Flughafenprüfsystemen als Entwicklerin und Architektin mitgewirkt. Sie ist bei der bbv Software Services AG tätig und unterstützt Kunden bei der Entwicklung mit Scrum und TDD.
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